Ansitz-, Lock- und Reiz- oder aber die Jagd mit der Falle – jede Art der Jagd auf das heimische und invasive Raubwild fesselt auf eine andere Art und Weise. Dem Niederwild wegen und dessen zu Ehren, ist das Raubwild klein zu halten. Daher liegt mir wirklich viel daran mich auszutauschen, Erfahrungen zu sammeln und natürlich jedes Stück an Raubwild versuchen zu verwerten. Es ist natürlich klar, dass ein Fuchs, Dachs oder ein Marder, welcher nicht im Winterbalg ist, sich natürlich nicht für das Streifen eignet. Aber auch ein solches Stück ist bei gutem Treffer eben für die Hundearbeit, des eigenen Hundes oder aber im Bekanntenkreis, gut zu gebrauchen.
Neben all den möglichen Jagdarten, bin ich besonders dem Charme der Lock- und Reizjagd verfallen, die beide ihren ganz speziellen Reiz des Waidwerkens auf das Raubwild besitzen. Dabei spreche ich nicht von einem Schuss auf weite Distanz, sondern auf kurze Entfernung, sodass ich vom Schrot aus kombinierter Büchse oder aber aus der Flinte Gebrauch machen kann. Ein jeder weiß, dass ein Täuschen von Reinecke gar nicht so einfach ist. Doch wer Reinecke schon einmal so täuschen konnte, dass er gerade schon verrückt den gesamten Hochsitz durchsuchen wollte, weiß, wie angespannt und grinsend zugleich man darüber nur lachen kann.
Alles in allem hängt der Jagderfolg mit der Flinte nicht nur vom Schützen selber ab, sondern auch von der Deckung der Schrote. Hierzu sollten gerade bei der Flinte die Chokes so gewählt werden, um sowohl die „nahe“ Distanz als auch die „etwas weitere“ Distanz gut abdecken zu können. Gemeint ist hier für den Anfang der Bereich zwischen 10 und 30 Metern, da hier die Menge an Schrotkörnern, die Durchschlagskraft und die Deckung stimmt. Für den Schuss unter 10 m bitte ich doch zu bedenken, dass die Schrotgarbe nur eine kleine Deckungsfläche besitzt und man sich seiner Sache sicher sein sollte.
Wo wir auch zeitgleich bei dem optimalen Treffersitz wären: mehr Fuchs, mehr Fläche, mehr Platz für die Garbe! Nur wenn ein Fuchs breit steht, wird der Abzug getätigt. Für den Winterfuchs hat sich bei mir die 3,5 mm Schrotgröße bewährt, sodass dieser sofort an Ort und Stelle verendet.
Auf die Benutzung der Flinte wird dann zurückgegriffen, wenn es darum geht am Bau direkt zu jagen. Oder aber dann, wenn es darum geht den Schnee auszunutzen und sich in Deckung bereitzumachen eine kleine Sinfonie aus den Lockern ertönen zu lassen.
Anfang Januar
Ein eisiger Wind fegt über die angefrorene Schneedecke hinweg und es ertönt ein für die Jahreszeit typisches Bellen in der Entfernung – es ist Fuchsranz. Die Flinte liegt neben einer in Schneetarn gehüllten Gestalt und ist nach vorne gewandt. Man hat Stellung hinter dem kleinen Erdwall bezogen, welcher Schutz vor eisigem Wind gibt und zeitgleich die Witterung verdeckt. Auf der Fläche vorn „laufen sie“ eigentlich recht zuverlässig – die roten Recken. Auch wenn Liebe bekanntlich blind macht, sollte man Reinecke Fuchs jedoch nicht unterschätzen und blindlings anfangen zu bellen oder gar zu locken, wenn es keinen Sinn ergibt.
Beobachten und schauen, was sich an diesem späten Nachmittag dort vor einem abspielt, so lautet erstmals die Devise und dann zeigt sich alsbald einer, welcher interessiert und hungrig mäuselnd das Feld in Fuchsmanier absucht. Dann wollen wir mal und versuchen sein Interesse für die Mäuse am Rande des Feldes zu wecken.
Locke niemals zugewandt wurde mir zu Beginn beigebracht, dann kommt er schnell und womöglich nicht direkt auf dich zu und hat dich im Wind. Locke abgewandt und in Ruhe, dann zieht er langsam auf dich zu. Gesagt, getan – das Interesse ist geweckt. Er kommt langsam, immer wieder von den Tönen unterstützt auf mich zu. 120 m, 70 m,… 50 m und bleibt plötzlich stehen. Hat er mich vernommen? Habe ich etwas falsch gemacht? Keine falsche Bewegung, die Lippen gespitzt und er ist wieder bei mir. 40 m, er dreht sich von mir weg, die Flinte geht langsam in den Anschlag. Noch einmal kurz die Lippen Richtung Boden gespitzt und gemäuselt.
Der junge Fuchs wird misstrauischer, aber kann trotzdem nicht davon ablassen. Ein alter Rüde, wäre wahrscheinlich schon längst nicht mehr vor mir, denke ich so vor mich hin, als auch schon die 20 m von ihm überquert sind. Er sucht, woher die Töne kamen und stellt sich breit, der Schuss bricht und bindet den Fuchs an Ort und Stelle. Dieses Erlebnis ist wieder so eines, was es wahrscheinlich kein zweites Mal so geben wird, aber so ist Jagd, es kann alles passieren. Egal ob aktive Jagd am Bau, Jagd mit der Falle oder aber die Jagd mit der Kombinierten Büchse, in der kalten Jahreszeit kann eine doch recht ansehnliche Fuchsstrecke zusammenkommen, die es auch wert ist weiterverarbeitet zu werden.
Doch wie rückt man denn Reinecke und Co. nach dem Jagderfolg am besten auf deren Pelz? Eigentlich ist das ganz einfach und mit der Übung wird man immer schneller. Nachfolgend möchte ich darüber berichten, wie ich es generell anstelle und mit dem Streifen verfahre. Das bedeutet nicht, dass es der Goldstandard ist oder gar die Lösung für jeden darstellt – ich berichte lediglich aus meiner Sicht, wie ich für mich die ideale Weise entwickelt habe und wie einfach ich damit verfahren kann. Es gibt die Möglichkeit den Balg einzufrieren, ihn einzusalzen oder eben an der Luft zu trocknen – es kommt ganz darauf an, was für eine Vorgabe euer Gerber des Vertrauens macht. Was sich für meine Bälge all die Jahre bewährt hat, ist diese an der Luft zu trocknen, weshalb ich auch nur dieses Verfahren am Beispiel Fuchs euch erklären möchte. Was ihr dafür braucht, ist nicht viel: Einweghandschuhe, ein Skalpell mit Wechselklingen, einen Seitenschneider eine Wanne, etwas Wasser, ein Fuchsbrett, einen Radiosender des Vertrauens, eine Wäscheklammer, ein Rund- oder Kantholz und natürlich ist ein Mundschutz unabdingbar!
Um die Gefahr vor dem kleinen Fuchsbandwurm zu minimieren, kann der Fuchs vor dem Streifen nass gemacht werden. Dieser Vorgang sollte jedoch nicht den Mundschutz ersetzen!
Auf den Pelz, fertig, los …
Sollte alles bereit liegen und das Radio an sein, wird der Fuchs wird mit dem Haupt nach unten und mit dem Bauch zu einem gewandt mit zwei Schnüren an den Hinterläufen aufgehängt. Dann kann schon mit dem ersten Schnitt an den Ballen der Vorderbranten begonnen werden. Der Schnitt wird mittig auf dem Ballen gesetzt, über das Ellenbogengelenk bis unter die Achsel gezogen. Im Anschluss kann mit dem Herauspräparieren begonnen werden. Je nach Alter des Fuchses reicht auch schon das bloße Schieben mit den Fingern. Mit einem Skalpell werden die „Fingerknöchel“ langsam herauspräpariert und mit dem Seitenschneider dann am ersten Gelenk gekappt. Sollten beide Vorderläufe herauspräpariert sein, so kann mit den Hinterläufen begonnen werden. Auch hier wird mittig der Branten begonnen und am Farbverlauf der Hinterläufe bis hin zum Waidloch ein Schnitt auf der linken und rechten Seite gemacht.
Bei Rüden ist das Geschröte auszusparen und verbleibt am Kern des Fuchses. Wie an den Vorderläufen, werden auch die Hinterläufe vorsichtig herauspräpariert und die Handwurzelknochen am ersten Gelenk gekappt. Dann wird am Körper entlang unter stetigem Zug Balg vom Kern getrennt. Um den nachfolgenden Schritt zu erleichtern, kann mit einem Rund- oder Kantholz die Lunte geklopft werden, sodass diese „mürbe“ wird. Es wird im Anschluss weitergestreift, bis zur Luntenwurzel. An dieser werden etwa 3 Zentimeter der Lunte an der Rübe entlang vorsichtig gelöst, sodass die Wäscheklammer zum Einsatz kommen kann. Diese wird an der Rübe angesetzt und mit beiden Händen zugedrückt und langsam unter stetigem Druck nach unten gedrückt. Zu Beginn erfordert dies einen gewissen Kraftaufwand, der aber langsam weniger abverlangt und wie von Zauberhand von jetzt auf nachher die Lunte von der Rübe befreit.
Danach kann unter stetigem Zug der gesamte übrige Kern herausgestreift werden, bis man am Hinterkopf des Fuchses angekommen ist. Dann wird bis zu den Gehören vorsichtig weitergestreift und diese möglichst eng am Schädel abgetrennt, sodass diese später ein ordentliches und ansehnliches Bild abgeben. Danach wird eng am Schädelknochen weitergestreift, bis man an den Sehern angelangt ist. Der Balg wird hierbei straff vom Rest des Fuchses weggezogen, sodass auch dieser kritische Bereich mühelos gestreift werden kann. Sollte der Fang durch die Rigor Mortis schwer zu öffnen sein, so kann mit einer Spitz- oder flachen Zange dieser aufgehebelt werden, um auch den vorderen Bereich um das Kinn ohne Schäden am Balg abzustreifen. Der Balg ist nun vollständig vom Kern getrennt und kann nun weiter bearbeitet werden. Der Kern wird im Konfiskatkübel entsorgt.
Das Fuchsbrett wird nun hergenommen und der Rohbalg mit der Innenseite nach außen auf das Brett gezogen. Dann wird je ein Nagel durch die Unterlippe und durch eines der Nasenlöcher in das Brett geschlagen. Sofern dies geschehen ist, wird der Fuchsbalg nochmals stramm gezogen und ebenfalls an den Schnitträndern der Oberschenkel ebenfalls mit Nägeln fixiert. Sofern alles auf dem Fuchsbrett fixiert ist, wird noch mit einer Aufbrechklinge oder einem Messer mit abgestumpfter Spitze die Lunte gerade nach unten aufgeschnitten und mit einem Streifen Zeitungspapier ausgekleidet, sodass dieser Bereich abtrocken kann und nicht fault. Gleiches wird ebenfalls mit den Vorder- und Hinterläufen gemacht, sodass diese offenliegend trocknen können ohne zu faulen. Mögliche Fleischreste können nun noch vorsichtig entfernt werden ehe der Balg bei Raumtemperatur etwa eine Woche lang trocknet. Sobald der gespannte Balg pergamentartig-ledrig wirkt, ist er bereit vom Brett gelöst zu werden und wird beiseitegelegt. Am Ende der Streifsaison kann dann alles gesammelt zum Gerber geschickt werden – hier können auf Wunsch dann besonders schöne und kapitale Bälge rundgegerbt werden, sodass diese nach dem Gerben nicht am Bauch aufgeschnitten werden. Ein Vermerk ist hierzu jedoch Pflicht!
Wie ihr also seht, erfordert es zwar etwas Übung, ist aber gar nicht schwer und auch leicht erlernbar. Die Mühe lohnt sich ungemein, sodass bereits im Folgejahr der gegerbte Balg in Augenschein genommen werden kann oder aber bereits verarbeitet in Form eines Jackenfutters, als Mütze, als Schal oder Muff mit einem gewissen Stolz getragen werden kann.
Ich bin gespannt, was ihr erlebt, wie ihr euch schlagt und vor allem was ihr daraus machen lasst!
Waidmannsheil,
Euer Jannik
Unser Autor:
Jannik Hennefahrt
Jannik Hennefarth lebt für die perfekte Schrotgarbe, die Jagd und die feine Wildküche. Als erfahrener Flintenschütze und passionierter Koch verbindet er jagdliches Know-how mit kulinarischer Raffinesse. In seinen Beiträgen teilt er Insiderwissen, Tipps zur Waffenwahl und köstliche Wildrezepte – perfekt für alle, die Schießkunst und Genuss vereinen wollen.

